Chronik - Die Geschichte von Sabrodt

Die Gründungszeit


Schon seit dem 6. Jahrhundert siedelte der slawische Stamm der Milzener in der Oberlausitz. Er drang von Süden gen Norden vor. Sabrodt war eines der nördlichsten Grenzdörfer des Stammes und lag unmittelbar am Grenzwald zu den Lusicern, wobei Sabrodt mehr ein Straßendorf als ein Grenz- oder Wehrdorf war.
Die erste Urkundliche Erwähnung war um 1380 unter dem Namen "Zabrod", 1401 wurde der Ort in einem Schriftstück von Heinrich von der Duba an König Wenzel IV. in Prag erwähnt, in dem gefordert wurde das Zabrod zu seinem Eigentum erklärt werde. Es gehörte zur Standesherrschaft Hoyerswerda, welche einst zu Böhmen zählte.
Der Name bedeutet "Ort hinter der Furt", damit ist die am Grenzwald positionierte Lage gemeint. Eine andere Erklärung wäre das "sa br'od", "sa dy brody", hinter den Pfuhlen und Pfützen, an Ufern und trockenen Stellen gelegen bedeutet. Da das Umland seinerzeit sumpfig war, reich an überschwemmten Wiesen, schützte es die Bewohner Sabrodts und Blunos vor den kriegerischen Horden des 30-jährigen Krieges. Erst mit dem später geschaffenen Landgraben konnte das Umland trockengelegt werden, welches somit nutzbar wurde.
1695 wurde das Dorf dann mit dem Namen "Sabrode" amtlich benannt. Im Jahre 1717 soll in der Region die Pest gewütet haben. Erzählungen zufolge haben in Sabrodt 3 Männer und in Terpe 3 Frauen überlebt, die sich verehelichten und somit die neuen Stammesväter wurden. 1728 wurde das Dorf dann von einem Feuerunglück betroffen.
1791 wurde Sabrode in "Sabrodt" umbenannt, seinem heutigen Namen.
Im Jahre 1833 kam es erneut zu einer Feuersbrunst, bei der 6 Gehöfte und 8 Scheunen in der Nacht niederbrannten. 2 Jahre später, 1835 wurden durch Frost zwei Drittel der Ernten vernichtet.
Nach dem Krieg gegen Frankreich (1864 bis 1870) wurde 1871 die noch immer stehende Friedenseiche gepflanzt, sie ist der mächtigste Baum im und um den Ort.

Die Moderne


Da in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Braunkohlebergbau vom Norden her auf den Kreis Hoyerswerda übergriff arbeiteten viele der ortsansässigen Bauern in der entstandenen Grube Brigitta (heutiges Spreetal) und deren Werkstätten. Bis 1927 führte der Landgraben Wasser, bis zu dem Zeitpunkt als der Kohlebergbau den Grundwasserspiegel senkte und ihn damit austrocknete. 1902 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1904 wurde eine Schmalspurbahn von Brigitta zum Bahnhof Bluno gebaut. Sie wurde 1919 zur Normalspurbahn ausgebaut und mit einer Verladerampe für Sabrodt erweitert, die noch bis 1960 genutzt wurde. In den letzten Monaten des 2. Weltkriegs wurde die Lausitz zum Kampfgebiet. Die Bewohner des Dorfes waren zur Flucht gezwungen, dies geschah am 28.04.1945, als die russischen Truppen immer näher kamen.
In den Kriegswirren herrschte Not und Elend, flüchtende Familien wurden eingeholt und zur Umkehr gezwungen um russische Kriegsgefangene zu beherbergen. Den zurückkehrenden bot sich ein Bild des Grauens. Brennende Gehöfte, tote Soldaten, verzweifelte und erschöpfte Menschen. Die russischen Besatzer herrschten mit Terror, und verschafften sich jederzeit freien Zugang zu Haus und Hof. Einbrüche, Diebstahl und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung.
Die Verluste waren enorm, Menschen, Tiere, Maschinen, Geräte und Wohneinrichtungen fielen in Mengen der Besatzung zum Opfer.
Im späteren Verlauf des Jahres, zur Erntezeit, wurde durch die sowjetische Kommandantur Hilfe geleistet und es begann durch einsetzen eines Bürgermeisters der Wiederaufbau.
An dem Kriegerdenkmal, welches von der Zeit des ersten Weltkriegs rührt, wurde eine 2. Tafel angebracht mit den Namen der 20 Gefallenen des 2. Weltkriegs.
Nach der Befreiung vom Faschismus 1945 bekam der Ort seinen ursprünglichen sorbischen Namen "Sabrodt" zurück.

Im Jahr 1954 wurden Wasserleitungen im Ort installiert. Ein Jahr später, im Jahr 1955 wurde unteranderem in Sabrodt, der 20-minütige DEFA Film "Wenn Jan und Lenka Hochzeit machen", innerhalb von 6 Wochen gedreht. Weitere Drehorte waren Bautzen, Bluno und Geierswalde. Regisseur war Günther Kaden, Mitarbeit wurde durch den sorbischen Maler und Schriftsteller Mercin Nowack geleistet sowie dem Komponisten und Nationalpreisträger Jurij Winar. An diesem Film waren 190 Personen beteiligt, die meisten Laienschauspieler stammten dabei aus Sabrodt.
Im Juli 1958 wurde mit dem Bau der Siebanlage begonnen und die Gleisanlage für die Kohleverbindungsbahn angelegt. Bereits im April 1959 erfolgte die Fertigstellung. Am 03.01.1960 wurde die Anlage in Betrieb genommen. Mit der 2. Baustufe am 22.10.1960 entwickelte sich die Siebanlage zum größten Rohkohleumschlagplatz Europas. Durch den zunehmenden Zugverkehr wurde die Lärmbelästigung unerträglich, somit wurde 1981 begonnen einen Lärmschutzwall auf 1,2 Km Länge entlang des Gleisbettes aufzuschütten und bepflanzt. In diese Zeit fällt auch die Planung und Verlegung der Bundesstraße 156 und die damit entstandene Ortsumgehungsstraße, welche am 20.06.1992 freigegeben wurde.
Am 23.11.1967 wurde die zur Freiwilligen Feuerwehr gehörende Schalmeienkapelle begründet. 1970 dann wurde an der Friedenseiche ein Gerätehaus für die Freiwillige Feuerwehr in Eigeninitiative errichtet. 1978 wurde im Raum Sabrodt ein Nachweis für 3500 Jahre altes Leben gefunden, Tongefäße und Buckelkeramik aus der mittleren Bronzezeit. 1987 wurde im Juni in Sabrodt eine Antennengemeinschaft gegründet, mit dem Ziel Fehrnsehfunk für die Mitglieder bereitzustellen. Im August 1990 brannten im Raum Sabrodt über 200 ha Wald nieder.

Nach der Kreisreform 1995 schlossen sich 8 Gemeinden zur Großgemeinde Elsterheide zusammen. Am 27.03.1997 wurde der Betrieb der technisch hochentwickelten Siebanlage, in Folge der Wiedervereinigung und dem damit verbundenen Mangel an Konkurrenzfähigkeit der Braunkohle, eingestellt. So lange wie das Werk bestand hatte wurden etwa 300 Mio. Tonnen Kohle aufbereitet und umgeschlagen.
2002 fanden die Festlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr statt.
An dem Standort, des einst größten Rohkohleumschlagplatzes Europas, wurde am 25.09.2008 mit der Errichtung eines Sphärogusswerkes der SLR-Gruppe begonnen. Dieses Werk stellt Europas modernstes Gießereiwerk da und brachte der Region 400 Arbeitsplätze. Das Werk nahm im August 2009 seine Produktion auf und wird bis zum Jahr 2012 erweitert.

Kriegerdenkmalevangelische Kirche und Friedhof

Einwohnerentwicklung


1852:255
1884:306
1916:340
1952:430
1967:410
1994:321
2000:327
2001:305
2010:315

Der Tiger von Sabrodt


Im Zuge der faschistischen Germanisierung wurde Sabrodt 1936 in "Wolfsfurt" umbenannt. Wolfsfurt wurde auf die Tatsache zurückgeführt, da am 28.02.1904 in der nähe des Ortes der letzte Wolf der Oberlausitz niedergestreckt wurde. An der Jagd beteiligten sich 18 Schützen, der Kopfschuss der dazu führte entsprang dem Lauf des Försters Bremer aus Weißkollm, der damals 100 Mark Abschußprämie bekam. Der Wolf war 41 Kg schwer, und führte zu großem Schaden beim Wildbestand und tötete in einer Nacht einen Hofhund. Er konnte für 10 Pfennig im Schützenhaus betrachtet werden und zog binnen kürzester Zeit mehr als 500 Besucher an. Heute wird er ausgestopft im Schloßmuseum in Hoyerswerda ausgestellt.